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Fotografieren bei Frost und Schnee

Dieser Artikel erschien erstmals, in anderer Form, im Januar 2016 und nochmals Januar 2018 auf d-pixx-online.

Aus Opas Sprüchekiste: “Des einen Freud – des anderen Leid!” Das ist abgedroschen, aber oft wahr. Im Winter zum Beispiel. Die einen grummeln, weil sie Schnee schippen müssen. Die anderen freuen sich, weil sie endlich Bilder im Schnee machen können. Wie? Das schauen wir uns jetzt an.

Fotografieren im Winter
Fotografieren im Winter

Wann wirds mal wieder richtig Winter?

Weihnachten ohne Schnee ist ja schon zur Gewohnheit geworden. Die junge Generation kennt das ja auch gar nicht mehr. Allenfalls in den Hoch- und Mittelgebirgen bestehen da noch Chancen. In den letzten Jahren ließ sich die Winterstimmung immerhin noch Mitte Januar spüren. Vielleicht ja auch dieses Jahr. Und weil sie so selten und kurzlebig geworden ist, ist es umso interessanter, sie mit besonderer Aufmerksamkeit wahrzunehmen. Wenn sich also draußen Väterchen Frost meldet und man nicht gerade irgendwelchen Verpflichtungen nachgehen muss, dann Fotoapparat schnappen und nichts wie raus.

Im Packeis der Gezeiten
Im Packeis der Gezeiten

Panasonic DMC-G2 ~ Lumix G Vario 14-42/F3,5-5,6

Bw: 31 mm (62 mm @KB) ~ 1/40 Sek. bei f/8 ~ ISO 100 ~ Belichtungskorr. +1 BW
Im Februar 2012 gab es eine längere Tieffrostphase, sodass die Weser fast zugefroren war. Die Tide hatte Eisschollen meterhoch auf dem Strand aufgetürmt. Ein selten gewordener Anblick.

Gerade die leicht erreichbare, nähere Umgebung bietet in solchen Momenten tolle Motive. Die alltägliche Kultur-, Stadt- oder Park-Landschaft, fern ab von touristischen Sehenswürdigkeiten, wird im Winter zur Augenweide. Vielleicht wohnen auch Sie in der Nähe eines Naturschutzgebietes. In meinem Fall liegt die Flusslandschaft der Weser, mit ihren Marschwiesen und Auenwaldresten in meiner unmittelbaren Nähe. Wenn es richtig frostig ist, ein scharfer Ostwind bläst oder ein feuchter Schneeschauer über die Ufer des Stroms niedergeht, dann muss ich einfach an die frische Luft.

Noch fährt sie
Noch fährt sie

Panasonic DMC-G2 ~ Lumix G Vario 14-42/F3,5-5,6

Bw: 17 mm (34 mm @KB) ~ 1/10 Sek. bei f/8 ~ ISO 100

Das Packeis auf der Weser drohte im Februar 2012 so heftig zu werden, dass fast der Fährverkehr zum erliegen gekommen wäre.

Und dann gibt es manchmal noch die Überraschung am Morgen, wenn es in der Nacht doch mal unverhofft geschneit hat. Dann werden viele optische Details einer Landschaft vom Schnee verschluckt und es entstehen völlig neue, reduzierte Strukturen. Wir kennen die Stille, die der Schnee mit sich bringt. Bilder, die nun entstehen assoziieren wir damit. Vom Schneeschippen und der Quälerei im Berufsverkehr mal abgesehen, sind Schnee und Eis doch eine feine Sache. Gut es ist kalt, aber dagegen kann man verschiedene Dinge tun. Warme und robuste Kleidung und vielleicht eine Thermoskanne mit einem Heißgetränk, sollten auf einer Fototour nicht fehlen.

EisSchwaden
EisSchwaden

Olympus E-M10 ~ Olympus M.9-18/F4 ,0-5,6

Bw: 9 mm (18 mm @KB) ~  1/500 Sek. bei f/8,0 ~ ISO 200 ~ Belichtungskorr. +1 BW

Nach einer Sturmflut setzte Frost ein. Das Brakwasser in den Überschwemmungswiesen bildete große Eisflächen und ließ die gewohnte Landschaft völlig neu erscheinen. Auch kleinere, gefrorene Pfützen sind schöne Motive und mit viel Fantasie entdeckt man interessante Formen und Figuren im Eis.

Für eine winterliche Fototour sind jedoch noch andere Dinge zu beachten.

Akkus haben bei sinkenden Temperaturen Kapazitätsverlust. Daher sollten sie vorher voll aufgeladen sein und während der Tour möglichst warm gehalten werden. Also den Ersatzakku lieber in eine Jackeninnentasche verstauen, so profitiert dieser von der Körperwärme.

Ist man nach einiger Zeit durchgefroren und kehrt vielleicht in eine Gaststätte ein, so kann es passieren, dass in der Kamera und im Objektiv Luftfeuchtigkeit kondensiert. Da hilft nur Abwarten, bis sich die Temperatur des Apparats mit der Umgebung wieder abgeglichen haben.

WattenRaureif
WattenRaureif

Olympus E-M10 ~ Tamron 14-150mm/F3,5-5,8 DiIII C001

Bw: 46 mm (92 mm @KB) ~  1/80 Sek. bei f/8,0 ~ ISO 100 ~ Belichtungskorr. +1 BW

Wenn die Luft trotz Minusgraden feucht ist, bildet sich Raureif. Wenn Gras, Büsche und Bäume mit feinen Eiskristallen gezuckert werden, erscheint die Landschaft, als sei die Zeit angehalten worden.

Bei solchen Motiven lohnt es sich auch mal Schwarz/Weiß-Konvertierungen auszuprobieren. Hier habe ich mittels Lightroom eine Filmsimmulation eines AgfaPan ISO 400 nachempfunden.

Falls Sie in Ihrer Nähe keine so guten Möglichkeiten für Winterlandschaften haben, ist es durchaus spannend einen Tagesausflug zu einem weiter entfernten Ziel zu planen. Für mich ist der Harz recht gut zu erreichen. Mit Blick auf den Wetterbericht lässt sich kurzfristig etwas mit Schneegarantie planen. Bei einer Tour mit dem PKW sollte man unbedingt genügend Scheibenfrostschutzmittel auffüllen und an Schneeketten denken.

WoHin
WoHin

Olympus E-520 ~ Olympus 14-42mm f3,5/5,6

Bw: 42 mm (84 mm @KB) ~  1/350 Sek. bei f/5,6 ~ ISO 100 ~ Belichtungskorr. +1 BW

Im Harz liegt der Schnee dick und schwer auf den Bäumen. Sie wirken fast wie gebeugte Gestalten (Hexen). Meistens hat der Wind noch bizzare Schneefahnen an aufrecht stehende Objekte gezaubert.

Ein paar technische Tipps

Korrekte Belichtung

Als ambitionierte(r) Amateurfotograf(in) ist Ihnen ja sicherlich bekannt, dass die Belichtungsmessung einer Kamera auf einen neutralen Grauwert abgestimmt ist. Das heißt, wenn viele helle Objekte, heller als 18% Grau, im Messrahmen (Mehrfeld, Mittenbetont oder Spot) sind, so wird die Messung ein unterbelichtetes Ergebnis erzeugen. Das ist bei Schneelandschaften fast immer der Fall. Daher muss man für eine richtige Wiedergabe eine Überbelichtung einstellen. Das Motivprogramm „Schnee“ oder auch „Strand“ erledigt das automatisch. Ohne Programmautomatik sollte man also eine deutliche Pluskorrektur vornehmen. Je nach Tageslicht, beziehungsweise der Gesamthelligkeit der Szene, kann die zwischen +0,5 und +1,5 Lichtwerte (EV - Exposure Value = BW - Belichtungswert) liegen. Hat man das mal vergessen, dann geht es auch später im RAW-Konverter. Jedoch sollte man dabei bedenken, dass die dunklen Tonwerte eher zum Bildrauschen neigen.

LebensKünstler
LebensKünstler

FUJIFILM FinePix S6500fd ~ Bw: 6,2 mm (28 mm @KB) ~ 1/680 Sek. bei f/5,6 ~ ISO 100 ~ Belichtungskorr. nachtr. +1,3 BW

 

Manche Bäume sind echte Lebenskünstler. Zum Glück hatte ich RAW-Dateien aufgenommen. Denn ich war von diesem Baum so fassziniert, dass ich glatt die Pluskorrektur vergas.

Weißabgleich

Das Tageslicht ist bläulich, wenn die Sonne hoch am Himmel steht. Während des Sonnenaufaufgangs und Sonnenuntergangs ist das Licht eher gelblich oder rötlich, im Winter jedoch nur sehr kurz. Und davor bzw. danach, also wenn die Sonne eben unter dem Horizont steht und nicht mehr zu sehen ist, ist die Zeit der blauen Stunde. Der Weißabgleich einer Kamera orientiert sich ebenso, wie bei der Belichtungsmessung an einen 18% Grauwert. Bei viel Weiß im Messfeld wird also auch hier eine Fehlmessung stattfinden. In den meisten Fällen geht diese in Richtung Blau, was dazu führt, dass sehr viele Winterbilder blaustichig sind. Auch hier wird das in der Motivautomatik mehr oder weniger berücksichtigt. Eine Korrektur des Weißabgleichs vor Ort ist oft schwierig. Denn unsere Augen verfügen über den so genannten „adaptiven Weißabgleich“. Das bedeutet, dass unser Sehapparat die hellsten Objekte nach Weiß korrigiert. Was wiederum dazu führt, dass wir eine tatsächlich bläuliche Lichtsituation nicht bläulich sehen. Während solch vorherrschenden Lichtverhältnissen gibt es möglicherweise auch noch Mischlicht durch Straßenlaternen oder anderem Kunstlicht. Unser Sehempfinden kann dadurch ebenso getäuscht sein. Um ein Bild dem gewohnten Sehen anzupassen ist es besser eine spätere Korrektur des Weißabgleichs per Software in der Bildbearbeitung zu machen. Es sei denn, man ist mit den Farbtemperaturwerten bestens vertraut und kann diese auch vor Ort gut einschätzen. Dann kann man einen Weißabgleichswert für die zu machende Aufnahme einstellen. Dazu sei aber noch erwähnt, dass ein blaustichiges Ergebnis durchaus die kühle Stimmung eines Winterbildes untermalen kann.

Gleis 3
Gleis 3

Olympus E-520 ~ Olympus 14-42mm f3,5/5,6

Bw: 34 mm (68 mm @KB) ~  1/350 Sek. bei f/5,3 ~ ISO 100 ~ Belichtungskorr. +1 BW

 

Wie so oft, ist das Wetter im Harz auf dem Broken sehr diesig. Der Nebel und der Schnee lassen viele Deteils verschwinden und als Fotograf kommt man so sehr schnell zu einer reduzierten Komposition.

Stromversorgung

Wie schon weiter oben erwähnt: Akkus jedweder Bauart haben die Eigenschaft, dass sie weniger Kapazität bieten, je kühler die Umgebungstemperatur ist. Man ist also gut beraten den Ersatzakku in einer Tasche unter der Jacke, möglichst dicht am Körper zu verstauen. Und auch die Kamera kann zwischen den Aufnahmen unter die Jacke verschwinden.

Über den Wolken
Über den Wolken

Olympus E-520 ~ Olympus 170-300mm f4,0/5,6

Bw: 100 mm (200 mm @KB) ~  1/3000 Sek. bei f/9,5 ~ ISO 100 ~ Belichtungskorr. +0,5 BW

Ende Januar 2011 lag Norddeutschland tagelang unter einer tiefhängenden Wolkendecke. Auf dem Wurmberg war man da schon hoch genug, um über den Wolken mal wieder die Sonne zu erblicken.

Objektivschutz

Bei Schneegestöber lässt es sich nur schwer vermeiden, dass sich Wassertropfen auf der Frontlinse sammeln. Ein Schutzfilter ist ratsam, denn häufiges putzen führt irgendwann unweigerlich zu Kratzern. Ein Filter ist preiswert und es lässt sich eher verschmerzen, wenn dieser ausgetauscht werden muss, als ein ganzes Objektiv. Die Streulichtblende verhindert ein wenig, dass Schneeflocken oder Wassertropfen auf die Frontlinse gelangen und zwischen den Aufnahmen sollte der Objektivdeckel benutzt werden. Einer, der mit einem Sicherungsband an der Kamera befestigt ist, ist im Winter gar nicht so verkehrt. Denn mit steifen Fingern oder Handschuhen ist die Feinmotorik gehemmt. Der Objektivdeckel könnte bei häufigen ab- und ansetzen schnell aus der Hand fallen und somit auch verloren gehen. Neuste Magnetsysteme für Filter und Deckel sind sicher auch gut zu handhaben.

So, nun kann der Schnee aber mal kommen. Wie sieht's bei Ihnen aus?

 

Copyright Januar 2019 Text und Fotos: Kai Kinghorst

 

Weitere Bilder, die im Winter an der Weser entsanden sind:

 

Weitere Bilder, die im Winter im Harz entsanden sind:

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