Konzept-Fotografie


WattGesichter

Alfred Ehrhardt – Das Watt
Im Frühjahr 2015 zeigte das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg im Oldenburger Schloss rund 80 Fotografien des Fotografen Alfred Ehrhardt (1901–1984) aus seiner Serie „Das Watt“.

Die Fotografien entstanden in den Jahren 1933 bis 1936 bei ausgedehnten Wanderungen im Watt zwischen den Inseln Neuwerk und Scharhörn. Eberhardt war zuvor durch die Nationalsozialisten von der Landeskunstschule Hamburg entlassen worden. Er lebte zu diesem Zeitpunkt in Cuxhaven, dort hatte er eine Stelle als Organist übernommen. Auf seinen Wanderungen entdeckte er die Schönheit des norddeutschen Wattenmeeres. In den Strukturen der von Wind und Gezeiten geformten Landschaft erkannte er, dass er mit Fotografie und Film seine vorherige künstlerische Arbeit weiterführen konnte, ohne mit der Doktrin des NS-Regimes in Konflikt zu geraten.


Erhardt verfolgte mit seinen Fotografien konsequent die Strömung des Neuen Sehens. Er setzte abstrakt wirkende Landschaftsaufnahmen kompositorisch in Szene. Die sich rhythmisch verändernde Landschaft diente ihm als Basis für seine Experimente mit Struktur und Ornamentik. Erhardt betonte die Oberflächenbeschaffenheit der Natur mit hartem Licht. Geometrie und Rhythmus spiegeln nicht nur die Dynamik des norddeutschen Wattenmeeres wider, sie bilden auch den Kontrast zwischen weicher Harmonie und stringenter Linienführung.


Inspiriert von dieser Ausstellung bin ich an einem sonnigen Tag an die Weser gegangen. Der Zeitpunkt war perfekt. Nach tagelangem, norddeutschen Schmuddelwetter zeigte sich endlich mal wieder die Sonne. Mit voranschreitender Ebbe zog sich das Wasser immer mehr zurück und der Strom gab am Elsflether Sand große Sandbänke frei. Die vom Hochwasser im Sand geformten Strukturen wurden vom harten Sonnenlicht auf wunderbare Weise heraus modelliert. Ich brauchte sie mit meiner Kamera nur einsammeln. Dabei musste ich an die Bilder von Alfred Ehrhardt denken und versuchte seine Sehweise nachzueifern. Gar nicht so leicht – das „Neue Sehen“ … Aber ich aktivierte den Kreativ-Filter “Monochrom” an meiner Olympus OMD E-M10 und sah die Strukturen auf gänzlich neue Weise.

FließCollage vertikal

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WattGesichter


Die Erde trägt mich!

Das Leben ist Veränderung. Doch was ist, wenn die Veränderung Werte in Frage stellt?

 

Stabile Werte werden schwammig und verschwimmen. Nur der Boden, die Erde, scheint noch tragfähig zu sein. Ist das wirklich so?

 

Die fotografische Aufgabe: Jede Woche zu spüren, ob die Erde noch trägt.


Ich geb' mir die Kugel!

Die Welt auf den Kopf stellen, um andere Sichtweisen zu bekommen: Das steckt hinter dem Konzept mit den Glaskugel-Aufnahmen.
Dinge anders sehen, die Sichtweise ändern und neue Perspektiven entdecken. Mal geht es um Formen, mal um Projektionen. Das Bild im Bild, die Multiperspektive eröffnet einen anderen Blick.

Siehe auch Ausstellung *Blick in die Glaskugel* und Presseartikel.


Im AnGesicht Deiner Wahrnehmung …

Der Rorschach-Test (Tintenkleckstest, eigentlich: Rorschach-Formdeuteversuch) ist ein psychodiagnostisches Testverfahren, für das der Schweizer Hermann Rorschach (1884–1922) eine eigene Persönlichkeitstheorie entwickelte und das später mit den Theorien der Freud’schen Schule verbunden wurde. Es gehört zu den sogenannten projektiven Tests und wird von Psychoanalytikern und Psychiatern angewendet mit dem Ziel, die gesamte Persönlichkeit des Probanden zu erfassen.

Quelle: wikipedia.org

Ich suche durch meinen Kamerafinder in der Natur nach Formen und Strukturen, aus denen sich „Klecks-Falt-Fotografien“ erzeugen lassen.


Was siehst Du?


KonsumTempel

Heute hatte ich einen seltsamen Traum. Ich war unter Leuten, die eine ganz eigenartige Religion hatten. Kapitalismus. Und Ihre Gemeinschaft nannten sie Konsumgesellschaft. Sie ackerten von früh bis spät, um ihre bunten Plastikkarten mit Zahlen zu füllen. Manche ackerten so hart, dass sie kurz vor einem Zusammenbruch standen. Die meisten schienen aber gut damit klar zu kommen. Mit diesen bunten Plastikkarten, die sie liebevoll in Lederhüllen sammelten, strömten die Leute in riesige Tempel oder ganze Pilger-Center. Dort verehrten sie ihre Götter, die sie Mode, Kosmetik, Unterhaltungselektronik, NonFood und – es gab da noch zahllose weitere Götter – nannten. Am Tempelportal standen Schlangen von Drahtwägelchen, die sich die meisten Leute durch Einwerfen von Münzen ausborgten.

Drinnen fanden komischen Rituale, wie das Drehen und Wenden unterschiedlichster Gegenstände oder Palavern mit den Tempelhütern, satt. Die Leute füllten ihre Drahtwägelchen mit Unmengen an nützlichen Gütern aber auch oft unnützen Dingen. Diese Sachen entnahmen sie endlos aufgereihten Schreinen. Danach pilgerten die Leute mehr oder weniger eilig zu den Opferaltären und ließen ihre gesammelten Kleinode mit einem Lichtstrahl registrieren. Anschließend steckten sie ihre bunten Karten in den Schlitz eines Apparates und bekamen vom Opferdiener einen kleinen Zettel. Vermutlich mit einer Anweisung, wie sie Buße tun konnten.

Es gab die verschiedensten Tempel. Manche dienten als Heilige Stätte für die Götter von Nahrung und Haushalt. Andere heiligten Einrichtung und Wohnen und wieder andere standen für Medien und Kommunikation, um nur einige zu nennen. Und es gab auch riesige Anlagen mit verschiedenen Tempeln für die unterschiedlichsten Gottheiten. Mit ihren Autos, Bussen oder Zügen strömten die Leute in Massen dorthin. Besonders an den religiösen Feiertagen, die sie „Schlussverkauf“, „verkaufsoffener Sonntag“ oder „ALLES MUSS RAUS“, nannten.

 

Sehr beeindruckt war ich von der Größe und Ästhetik der Tempel. Die Götter mussten den Leuten sehr heilig sein, denn die Gebäude zeugten von einer hohen Qualität in Design und Anmut. Es waren mitunter die größten und schönsten Bauwerke in den Städten dieser Leute. Sie wurden bunt bemalt und mit religiösen Botschaften versehen, die des Nachts sogar leuchteten. Manche Botschaften verstand ich überhaupt nicht. Wahrscheinlich musste man wohl tiefer in diese Religion eintauchen. „Geiz ist geil!“; „Sonderangebot“; „reduzierte Ware“; „50% auf alles“ und so weiter, und so fort. Dann plötzlich ein leises, unscheinbares Geräusch. Es wurde lauter und deutlicher, bis es fast quälend und schrillend anschwoll …

Mein Wecker riss mich aus einen merkwürdigen Traum in die Wirklichkeit zurück. Schon so spät! Mir wurde bewusst, dass ich mich beeilen musste, um meine bunte Plastikkarte wieder mit Zahlen zu füllen. Und vor meinem geistigen Auge prangte die letzte Botschaft aus dem Traum:

„Mach' es zu deinem Projekt! – Jippidaja Jippijey …“

 

KonsumTempel